Big Data – Manipulieren mit System

Jede Interaktion mit dem Handy, dem Tablet, dem Notebook, der Smart Watch oder dem PC hinterlässt Datenspuren, die akribisch in den Rechenzentren der Mobilfunkanbieter, der Hardwarehersteller, der Betreiber von sozialen Netzwerken und der Staaten gespeichert werden.

Big Data

Big Data (Bildquelle luckey_sun, flickr.com

Im Zusammenhang mit dem Brexit-Votum der Briten und dem Ausgang der letzten US-Wahl ist diskutiert worden, ob und zu welchem Grad dieser Datenschatz zur Verfolgung von bestimmten Interessen nutzbar gemacht werden kann. Hierfür hat sich eine eigene Sparte in der Psychologie mit dem Namen Psychometrie herausgebildet, die für sich in Anspruch nimmt, die Persönlichkeit eines Menschen mit Hilfe von Modellen zu erfassen und dann auf der Grundlage dieser Modelle bei bestimmten Fragestellungen eine Aussage zu machen, wie dieser Mensch angesprochen werden muss, um ein bestimmtes Verhalten zu erreichen.

Die Psychometrie setzt z.B. das OCEAN-Modell ein, das auch als Fünf-Faktor-Modell beschrieben wird. Die Persönlichkeit wird in fünf Dimensionen unterteilt und zu jeder Dimension wird ein Zahlenwert festgehalten, der den Grad an Übereinstimmung in der jeweiligen Dimension angibt. Es ergibt sich eine quantifizierbare Persönlichkeitsstruktur.

Von Eganos - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46180720

Dimensionen von Persönlichkeit nach dem OCEAN-Modell. Von Eganos – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, Link

Die Methoden der Psychometrie, die durch Big Data vorhandenen Datenspuren und die Erreichbarkeit einzelner Menschen in sozialen Netzwerken ergeben die folgenden Bausteine, die zusammengenommen die Grundlage bilden, um auf Menschen individuell Einfluss zu nehmen:

  • Mit dem OCEAN-Modell wird die Persönlichkeit eines Menschen erfasst.
  • Die Datenspuren eines Menschen werden zur Erfassung seiner Persönlichkeitsstruktur verwendet.
  • Aus der Persönlichkeitsstruktur eines Menschen ergibt sich zu einer bestimmten Absicht die passende Ansprache für diesen Menschen.
  • Über soziale Netzwerke ist ein einzelner Menschen direkt erreichbar und er wird gemäß der für ihn individuell vorliegenden Persönlichkeitsstruktur individuell angesprochen.

So erklärt es Alexander Nix, CEO von Cambridge Analytics, in dem Video “The Power of Big Data and Psychographics:

Mir geht es in diesem Blogpost nicht darum zu sagen, dass Persönlichkeitsprofile valide aus den Datenspuren im Netz ableitbar sind oder dass aufgrund solcher Persönlichkeitsprofile Menschen manipulierbar sind. Mir geht es darum zu sagen, dass dieser Versuch offenbar unternommen wird und alle, die Zugang zu Big Data haben, diesen Versuch ebenfalls unternehmen können. Sicherlich sind Aussagen von Alexander Nix in dem Video wie “Persönlichkeitsprofile liegen für alle erwachsenen Amerikaner vor” und zur Wirksamkeit der Posts in sozialen Netzwerken genau zu hinterfragen, es bleibt aber festzuhalten, dass der Versuch der Beeinflussung unternommen wird.

Auf dem Gebiet der Psychometrie ist Michal Kosinski einer der Vorreiter. In dem folgenden Artikel wird beschrieben, was Michal Kosinski für möglich hält: Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt (Das Magazin). Bei der berechtigten Kritik an diesem Artikel (z. B. Hat wirklich der große Big Data Zauber Trump zum Präsident gemacht? von Dennis Horn im WDR Blog) wird doch deutlich, was versucht wird, um Menschen zu beeinflussen. Der Grad der Wirksamkeit muss noch nachgewiesen werden.

Abschließend ist festzuhalten, dass Wahlwerbung ein legitimes Mittel im Wahlkampf ist. Wahlwerbung im Fernsehen, im Radio oder auf Plakaten wird klar gekennzeichnet. Das sollte im Internet auch so sein.

 

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