Agile Schulentwicklung

VF agile Schulentwicklung

Darstellung von agiler Schulentwicklung im Kontrast zu klassischen Entwicklungsmodellen


Agile Schulentwicklung beschreibt einen Rahmen, in dem Veränderungsprozesse von Teams in einer Organisation vollzogen werden können,

  • die sehr komplex sind,
  • die auf Gebiete führen, in denen es wenig oder keine Vorerfahrungen gibt, auf die zurückgegriffen werden kann und
  • die zeitlich nicht genau eingegrenzt werden können.

Einzig das Ziel, das erreicht werden soll, muss klar umrissen und genau beschrieben sein.

Die Kernüberzeugung von agiler Schulentwicklung ist, dass, wenn an jedem Tag ein Schritt in diese Richtung unternommen wird, das Ziel (irgendwann) erreicht wird. Hindernisse, Schwierigkeiten und Rückschläge bewirken in diesem Rahmen zunächst ein Abweichen von dem zuletzt verfolgten Weg, aber dann ein erneutes Zulaufen auf das Ziel in den folgenden Schritten. In diesem Sinne sind alle Ereignisse ausdrücklich erwünscht, die als Folge Veränderungen bedeuten.

Jeden Tag einen Schritt in die richtige Richtung gehen bedeutet für jeden Beteiligten, sich immer wieder zu fragen, passt das, was ich tue, zum gesteckten Ziel? Wenn nicht, muss ich eine Veränderung herbeiführen. Diese individuelle Reflexion und Selbstvergewisserung ist eingebettet in regelmäßig im Team durchlaufene vollständige PDCA-Zyklen (plan–do–check–act), die das Ziel haben, dass sich das ganze Team und die Organisation in diesem Bereich auf das gesteckte Ziel zubewegt.

Der Rahmen für agile Schulentwicklung orientiert sich an dem Manifest für agile Schulentwicklung. Agil wird hier synonym mit wendig oder beweglich gesehen, nicht mit schnell.

Klassische Methoden der Schulentwicklung initiieren Veränderungsprozesse über Projekte, die mit den Methoden des Projektmanagements durchgeführt werden. Erfolgreich abgeschlossene Projekte werden in Prozesse überführt, die ihrerseits über ein Prozessmanagement verwaltet werden. Begleitend hierzu behält ein Qualitätsmanagement die gesetzten Ziele im Blick. Dieser Apparat schafft viel Klarheit und Transparenz bei allen Beteiligten. Für viele Menschen ist diese Klarheit und Transparenz auch die Grundvoraussetzung, um sich überhaupt auf Veränderungsprozesse einzulassen, weil so Zuversicht entsteht, dass das angestrebte Ziel wirklich erreichbar ist. Dieser Apparat ist aber auch ebenso sehr arbeitsintensiv und manchmal wird er auch als Cargo Kult betrieben ohne wirkliches Interesse an der Erreichung des Ziels.

Hintergrund:
Die Formulierung von agiler Schulentwicklung versucht in der Retrospektive den Gelingensrahmen der Entwicklung des Lernschrittkonzepts nachzuvollziehen. Das Lernschrittkonzept ist das Ergebnis eines Schulentwicklungsprozesses, der die Lernkultur an beruflichen Schulen grundlegend verändern wollte.

Andere Rahmen für das Verfolgen von komplexen Entwicklungen sind z. B. Scrum oder das Kreuzlinger Schulentwicklungsmodell. Neben dem Lernschrittkonzept als Ergebnis von Schulentwicklung im Rahmen der agilen Schulentwicklung ist beispielsweise eduScrum ein Ergebnis von Unterrichtsentwicklung im Rahmen von Scrum. Die Verbindung dieser Rahmenwerke (agile Schulentwicklung, Scrum, Kreuzlinger Schulentwicklungsmodell) ist die konsequente Implementierung des PDCA-Zyklusses (plan–do–check–act).

Das japanische Konzept Shuhari als Weg zur Meisterschaft im Kampfsport zeigt, dass wenn immer Prozesse und Regeln eingeführt werden, die Gefahr besteht, dass durch das sture Einhalten von Prozessen und Regeln Menschen auf dem Weg zur Meisterschaft wieder in Richtung Anfänger zurückgeworfen werden (siehe zur Illustration das Video von G. Dueck).

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